Körpersprache

Ich sehe was du fühlst

Eine Geste oder die Körperhaltung eines Menschen kann uns manchmal viel mehr über seine  innere Haltung, Gefühle und momentane Stimmung erzählen als die gesprochene Sprache. Wenn Sie die Körpersignale des Gegenübers wahrnehmen und interpretieren können, gewinnen Sie nicht nur tiefere Einsichten in den Reichtum der zwischenmenschlichen Beziehungen, Sie bekommen vor allem die Möglichkeit, sich selbst und die anderen besser zu verstehen.       

Erste Sprache

Körpersprache ist unsere erste und unverfälschte Sprache. Sobald wir gelernt haben mit Worten umzugehen, messen wir der Körpersprache bewusst keine große Bedeutung mehr bei. Doch unsere erste Sprache ist viel mächtiger als wir es annehmen. Sie lässt sich nicht verdrängen und dem geübten Beobachter kann sie viel über uns verraten.
Körpersprache verstehen und einsetzen.

Körpersprache ist kein AlphabetJeder Mensch ist einzigartig in seinen Bewegungen und Reaktionen und das Zusammenspiel der physischen und psychischen Ausdrucksformen ist äußert komplex. Beim Verstehen der Körpersprache kann es deshalb nicht darum gehen, von einem einzigen körpersprachlichen Signal auf den ganzen Menschen zu schließen. Es wäre viel zu naiv zu glauben, dass die Körpersprache so einfach zu entschlüsseln wäre wie ein Kreuzworträtsel.

Die jeweilige Situation erkennen und einbeziehen

Genauso komplex wie die Vielfalt des körperlichen Ausdrucks ist die Situation: Es kommt immer darauf an, wo und wann wir uns begegnen. Sind wir bei jemandem zu Gast oder empfangen wir jemanden auf unserem „Territorium“ im Büro? Ist es früher Morgen oder später Abend? Oder vielleicht findet das Treffen auf einem neutralen Gebiet, etwa beim Geschäftsessen im Restaurant, statt? Kennen wir unser Gegenüber schon länger, können wir uns sogar „gehen lassen“ oder treffen wir uns zum ersten Mal und es handelt sich dabei um eine zukunftsweisende Produktpräsentation oder eine knallharte Verhandlung?

Körpersprache auf der Berufsbühne

Die heutigen Anforderungen an die Führungskräfte und Mitarbeiter werden immer höher und schwieriger. Neben dem großen Fachwissen spielen immer mehr die „soft skills“ eine wichtige Rolle, die für die Karriere einer Führungskraft oder eines Mitarbeiters entscheidend sein können. Diese weichen Faktoren sind schwer zu messen, deshalb ist es umso wichtiger, sie zu beherrschen, da sie sich im täglichen Verhalten im Arbeits-alltag zeigen:

•          Wie Sie mit Ihren Mitarbeitern kommunizieren und wie Sie zuhören
•          Wie Sie Ihre Mitarbeiter anleiten und motivieren
•          Wie Sie mit Kollegen zusammen arbeiten
•          Wie Sie Kunden beraten
•          Wie Sie (sich) präsentieren

Die Berufswelt ist eine Bühne und wir spielen auf ihr täglich unsere Rollen. Wir treten als Führungskräfte, Mitarbeiter oder Kollegen auf. Wir motivieren, präsentieren, verkaufen, verhandeln und setzen dabei mehr oder weniger bewusst unseren Körper ein. Doch unser Erfolg hängt nicht davon ab, wie geschickt wir uns verstellen können, sondern wie authentisch und überzeugend wir auftreten.

Schärfung der Wahrnehmung

Ein paar körpersprachliche Tricks, die helfen könnten, leichter einen Verkaufsabschluss zu erzielen oder Mitarbeiter besser zu motivieren, stellen keinen so großen Wert dar wie die Schärfung der Wahrnehmung. Wenn Sie sich stets der Vielfalt der menschlichen Ausdrucksweisen bewusst sind, werden Sie Menschen besser einschätzen können.              Auf diese Weise können Sie eine Sensibilität für Ihre eigene Körpersprache entwickeln und diese authentisch und überzeugend einsetzen können.

Emotionen

Erfolgreiche Schauspieler wissen, wie man Emotionen sichtbar macht; ihr Körper ist trainiert, „durchlässig“ für Emotionen zu sein. Die Zuschauer identifizieren sich mit den Schauspielern, wenn diese authentisch spielen. Sie werden von Emotionen berührt oder inspiriert.
„Doch Emotionen sind die Dinge, die sich in unserem Inneren abspielen und ohne unser Wollen unsere Handlung beeinflussen“, formuliert es treffend Lee Strasberg, ein bedeu-tender amerikanischer Schauspiellehrer, in seinem Buch „Schauspielen und das Trai-ning des Schauspielers“,. Kann man also den körperlichen Ausdruck der Emotionen überhaupt trainieren?
Schauspieler müssen sich die Reize, die im realen Leben vorkommen, vorstellen, sie innerlich erleben und auf sie reagieren. Dies ist eine hohe Kunst und wir raten jedem davon ab, durch körpersprachliche Haltungen und Gesten Emotionen vorzutäuschen und damit Menschen beeinflussen zu wollen.

Sie können allerdings von den Schauspielern lernen:

•          Emotionen zu beobachten,
•          zu erkennen,
•          zu interpretieren,
•          dem eigenen Körper zu erlauben, sich emotional auszudrücken,
•          für Emotionen durchlässig zu sein.

Die emotionale Balance


Gefühle sind wie Naturelemente, manchmal erwärmen sie uns wie das Feuer und manchmal bringen sie uns in ihre zerstörerische Gewalt. Wir können versuchen, sie zu zähmen, aber wir dürfen sie niemals missachten. Gerade in beruflichen Situationen wird oft verlangt, dass man Emotionen unterdrückt. Sie kennen bestimmt die Aufforderung „Bleiben Sie sachlich!“ oder die Formulierung „Aus der objektiven Sicht“…
Wenn Sie Ihre Emotionen jedoch ständig unterdrücken, verlieren Sie den Zugang zu ihnen, den Zugang zu Ihren inneren Bildern und zur Kreativität.

In manchen Situationen ist es wichtig, dass Sie Anteilnahme zulassen und so die Bezie-hungsebene zu Ihren Mitarbeitern, Kunden oder Kollegen gestalten:

•          im Mitarbeitergespräch (z.B. Kündigung),
•          im Reklamationsgespräch (Sie verstehen den Kunden, wenn er wütend ist),
•          in einem schwierigen Gespräch mit einem Kollegen
•          Sie wollen Ihre Mitarbeiter an Ihrer Begeisterung teilhaben lassen,
•          Sie sprechen Lob und Anerkennung aus.

Einfluss einüben

Wenn wir durch Körpersprache auf Menschen Einfluss ausüben wollen, verlassen wir die so genannte sachliche Ebene und wir wagen uns auf ein Terrain, das nicht ungefährlich ist, das Beziehungsfeld. Eine gewollt ausgeführte Geste kann manchmal mehr Schaden anrichten als eine echte Unsicherheit oder ein verbales Missgeschick. Eine leere Geste kann nicht nur Ihr Gegenüber verwirren oder abschrecken. Sie können leicht in den Verdacht geraten, Menschen manipulieren zu wollen und sich darüber hinaus entweder unbeliebt oder lächerlich machen.

...und trotzdem authentisch bleiben

Was können Sie also mit Hilfe der Körpersprache tun, um die anderen das machen zu lassen, was Sie für richtig halten?

 Erst wenn die innere Einstellung, die Emotionen und Gedanken mit dem körperlichen Ausdruck übereinstimmen, wird man von der Außenwelt als vertrauenswürdig wahrgenommen. Ein Chef, der rhetorisch ausgeklügelte Reden hält, in denen er an die Kreativität seiner Mitarbeiter appelliert, sich aber körperlich verschlossen gibt, wird nie seine Mitarbeiter erreichen, geschweige denn motivieren können. Ein Verkäufer, der nicht wirklich an das Produkt glaubt, das er vertritt, wird seinen Körper nicht auf Dauer zum Verbündeten machen können. Er wird seinen Job immer mehr als Stress empfinden und irgendwann auch krank werden.

Sie können also nur dann Einfluss nehmen, wenn Ihre Körpersprache genau die Signale vermittelt, die Ihr Inneres widerspiegeln. Die innere Haltung ist der Schlüssel für ein motiviertes Handeln. Ist sie schwach, wirken die körpersprachlichen Signale schwach, zerfahren und unmotiviert. Ist die innere Haltung dagegen stark und ausgeprägt, weckt sie den Körper erst richtig zum Leben auf (mehr zum Buch "Körpersprache")

Gregor Adamczyk und Tiziana Bruno gehören zu den bekanntesten Experten für Körpersprache in Deutschland. In ihren Vorträgen und Seminaren vermitteln sie ihr Wissen über die Macht der Körpersprache auf eine intensive und gleichfalls unterhaltsame und zugängliche Art und Weise.

Als Theaterschaffende verfügen die beiden über ein großes praktisches und didaktisches Können und besitzen ein Gespür für das Anliegen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer.


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